Lucas Cranach kam 1505 im Alter von 33 Jahren nach Wittenberg. Seinen Namen leitete er von seiner Geburtsstadt Cronach in Franken ab.
Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen, hatte sein Talent erkannt und ihn als Hofmaler eingestellt. Sein Jahresgehalt betrug 100 Taler und damit das doppelte des damals Üblichen. Zusätzlich durfte Cranach sich seine Bilder einzeln honorieren lassen.
Cranachs Talent als Maler ist unbestritten und wird gerade neuerdings wieder sehr geschätzt. Um der Nachfrage gerecht werden zu können, gründete Cranach in Wittenberg seine berühmte Malschule, in der seine Eleven unter seiner Anleitung eine größere Menge an Bildern produzieren konnten.
Nicht geringer als sein malerisches war Cranachs geschäftliches Talent: Gemälde in Öl auf Leinwand beanspruchten außer künstlerischen Fähigkeiten viel Zeit und können nur einmal verkauft werden. Holzschnitte und Kupferstiche lassen sich dagegen vervielfältigen. Cranach schaffte deshalb eine Drucker-Presse an, die zu seinem Wohlstand erheblich beitrug.
Im Jahr 1502 hatte Friedrich der Weise in seiner Residenzstadt Wittenberg die Universität "Leucorea" gegründet. Er legte damit den Grundstein für das Aufblühen des Ortes, der bis dahin reizlos war und "in mediam barborum", also in der Wildnis lag, auch wenn mit seinem Besitz die Kurwürde verbunden war.
Die Universität brachte Geist und Geld in die Stadt. Handel und Diernstleistungen blühten auf. In der Folge änderte sich auch das Stadtbild ganz erheblich. In den Jahrzehnten nach Cranachs Ankunft in Wittenberg entstanden u. a. das große Universitätsgebäude an der Collegienstraße, das Melanchthon-Haus, das prächtige Rathaus im Renaissance-Stil und die Schlosskirche.
Cranach selbst errichtete die Anwesen Schlossstraße 1 und Markt 4 in der Form, wie sie im Wesentlichen noch heute anzutreffen sind.
Im Jahr 1517 verfasste Martin Luther, Lehrer an der Leucorea, seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Der Legende nach hat er sie an die Tür der Schlosskirche genagelt. Diese Art der Veröffentlichung hätte über die Stadtgrenzen hinaus kaum Wirkung erzeugt, hätte Cranach nicht deren Brisanz erkannt. Er ließ die Thesen in Lettern setzen und vervielfältigte sie mit seiner Druckerpresse. Die erste Auflage wurde ihm für wenige Groschen aus den Händen gerissen, so dass er nachdrucken musste.
1520 erwarb Cranach zusätzlich das Apotheker-Privileg. Seine Apotheke ist noch heute in dem Anwesen Schlossstraße 1 vorhanden. Apotheker handelten damals nicht mit zugelassenen Arzneimitteln, sondern mt Pulvern, Gewürzen, Farben und allerlei exotischen Mittelchen.
Martin Luther hatte in seinem Versteck auf der Wartburg die Bibel ins Deutsche übersetzt. 1522 druckte Cranach die erste Bibel in deutscher Sprache in einer Auflage von 5000 Exemplaren. Beide, Luther und Cranach erwarben sich damit das Verdienst, die deutsche Sprache vereinheitlicht zu haben.
Schon 1528 war Lucas Cranach der größte Grundbesitzer Wittenbergs. Seine wirtschaftliche Unabhängigkeit gab ihm die Möglichkeit, sich auch um kommunale Angelegenheiten zu kümmern: von 1537 bis 1544 war er Wittenberger Bürgermeister. Zu seinen Freunden zählten alle wichtigen Männer der Reformation wie Luther, Melanchthon, Bugenhagen.
Der erste deutsche Glaubenskrieg, der Schmalkaldische Krieg, der auch Wittenberg berührte, veranlasste Cranach, 1547 nach Weimar zu übersiedeln, wo er 1553 im Alter von 81 Jahren starb.
Sichtbare Zeugnisse des Malers Lucas Cranach in Wittenberg sind die Cranachhöfe Schlossstraße 1 umd Markt 4 sowie der Altar und mehrere Bilder in der Stadtkirche St. Marien. |