Katharina von Bora war eigentlich das typische Schicksal einer Tochter aus verarmten Adel zugedacht, für deren Mitgift das Familienvermögen nicht reichte: Sie wurde in ein Kloster gesteckt.
Außergewöhnlich für ihre Zeit war, dass sie sich nicht in ihr Schicksal fügte, sondern auf eigene Faust das Kloster wieder verließ, d. h.: Sie riss einfach aus. Es ist nicht genau bekannt, auf welchen Wegen sie nach Wittenberg kam, jedenfalls war sie im Jahre 1523 da.
Sicher hatte sie von dem aufsässigen Mönch gehört, der in Wittenberg wortgewaltig von der Kanzel gegen den Ablasshandel der römischen Kirche wetterte, weil er nicht einsehen wollte, dass der Bau der größten Kirche der Welt, des Peters-Doms in Rom, zur höheren Ehre des Herrn erforderlich war, und der nun einmal Unsummen verschlang.
Nun war es zu jener Zeit ungewöhnlich und wohl auch unschicklich, dass sich eine Frau von Stand allein ohne Familie und sogar ohne Ehemann durchs Leben schlug. Im Bestreben, diese Anstößigkeit aus der Welt zu schaffen, legte man Katharina nahe, doch zu heiraten und unterbreitete ihr Vorschläge. Darauf soll sie geantwortet haben: "Wenn ich einen heirate, dann den Luther." Was neuerlich ungehörig war, denn damals bekam eine Frau ihren Ehemann zugeteilt.
Luther muss davon wohl beeindruckt gewesen sein, er erkannte offenbar die Seelenverwandtschaft zweier Menschen, die den Konventionen ihrer Zeit voraus waren. Jedenfalls wurde am 27. Juni 1525 geheiratet.
Nebenbei gebar Katharina ihrem Ehemann auch 6 Kinder, hauptsächlich jedoch führte sie seinen Haushalt. Das bedeutete im Falle Luthers die Führung eines mittleren Wirtschaftsbetriebes, denn Universitätslehrer wie Luther wurden damals nicht so fürstlich entlohnt wie heute, sondern ernährten sich überwiegend von der privaten Unterrichtung, Beherbergung und Beköstigung ihrer Studenten aus wohlhabenden Familien.
Es musste also in der damals noch wenig arbeitsteiligen Welt gewaschen, gereinigt, geschlachtet, gekocht, gebacken und gebraut werden. Katharina wirtschaftete so gut, dass Luther zum zeitweilig zweitreichsten Bürger Wittenbergs wurde.
Schon das Ausmaß des in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommenen Lutherhauses vermittelt einen Eindruck von der Größe der Aufgabe.
Mit Luthers Tod im Jahre 1546 entfiel auch die wirschaftliche Grundlage des "Unternehmens". Katharina geriet in wirtschaftliche Not. Auf der Flucht vor ihren Gläubigern starb sie am 20. Dezember in Torgau an der Pest.
Dem für Katharina tragischen Ende kann der emanzipazionsgeplagte männliche Leser einen positiven Aspekt abgewinnen: Ganz ohne Männer geht es eben doch nicht. |