Kurfürst Friedrich war ein friedliebender Mann. Als seine Berater ihm sagten, der Besitz der Stadt Erfurt würde ihn nur 5 Männer kosten, soll er geantwortet haben: "Und wenn es nur einer wäre, wäre mir der Preis zu hoch."
Friedrich war auch ein Mann weitsichtiger Geschäftstüchtigkeit. Er ließ bei Wittenberg eine Brücke über die Elbe bauen und zog so die Handelsströme in seine Residenzstadt, mit deren Besitz die Kurwürde verbunden war (das Recht, als einer von 7 Kurfürsten den deutschen Kaiser zu wählen).
Seine Weisheit bewies Friedrich nicht zuletzt mit der Gründung der Universität in Wittenberg. Handel und Gewerbe hatte er schon gefördert. Nun wollte er verhindern, dass kluge und gebildete Leute sein Land verließen, um in anderen Ländern Karriere zu machen.
Am 24. August 1502 startete er eine Ausschreibung für die aus Goethes Faust bekannten Fakultäten Philosophie, Juristerei, Medizin und Theologie.
Weitsichtig setzte er durch, dass jeder in Wittenberg Promovierte rechtlich den Adeligen gleichgestellt wurde. Dadurch erhielt seine neue Universität eine ungeheure Anziehungskraft und in der Folge wuchs die Zahl der "Von-und-Zus" in seinem Land, ohne dass sie mit Land belehnt werden mussten.
Die Namen zahlreicher bekannter Männer (Frauen waren zum Studium noch nicht zugelassen), die in Wittenberg studiert haben, kann man heute auf emaillerten Tafeln an den Häuserwänden lesen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Wittenberger Universität, die nun Leucorea (griechisch für weißer Berg) hieß, eine der angesehensten der bekannten Welt. Selbst Shakespeare kam nicht umhin, seinem Hamlet zur Verbesserung seiner Reputation ein paar Semester Studium in Wittenberg anzudichten.
Im Jahr 1519 starb Kaiser Maximilian I., ohne einen Nachfolger bestimmt zu haben. Um die Nachfolge bewarben sich Heinrich III. von England, Franz I. von Frankreich und Karl V. von Spanien (und Sardinen und Sizilien und Neapel). Papst Leo, der seine mediceische Hausmacht bedroht wähnte, wollte einen deutschen Kaiser.
Die 7 Kurfürsten zogen in die traditionelle Kaiserwahlstadt Frankfurt. Am 27. Juni 1519 begaben sie sich in feierlichem Zug in die Bartholomäuskirche, um in der Kapitelstube den Kaiser zu wählen. Trier, Brandenburg und Pfalz stimmten für Friedrich, der mit seiner eigenen Stimme die Wahl hätte entscheiden können. Jedoch kehrten die Kurfürtsten am Abend in ihre Unterkünfte zurück, ohne ein Ergebnis zu verkünden.
Am nächsten Morgen kurz vor sieben ritten die Kurfürsten wieder zur Bartholomäuskirche und um neun Uhr wurde Karl von Spanien als neuer Kaiser ausgerufen.
Erasmus von Rotterdam schrieb: "Nach meiner Überzeugung hat Friedrich die Kaiserwürde mit größerer Ehre abgelehnt, als einige sie anstrebten."
Martin Luther begrüßte in seiner Schrift "An den christlichen Adel deutscher Nation" die Wahl Karls V. mit den Worten: "Gott hat große Hoffnung in unseren Herzen erwecket, indem er uns das junge Blut von Habsburg zum Haupt gab." Als einer der ersten sollte er sich noch wundern. |